Aktuelles für Finanzbeamte: Wer hilft im Katastrophenfall?; 02/2019

.

Mehr Meldungen für Finanzbeamte finden Sie hier


.

Fotos: Freiwillige Feuerwehr München | Amt für Brand- und Katastrophenschutz Regensburg | THW

Anfang Januar hat es in den Alpen mehr als eine Woche lang fast ununterbrochen geschneit, pro Nacht gab es teilweise einen Meter Neuschnee. Durch milder werdende Temperaturen wurde dieser Schnee schwer – ein großes Problem für viele Dächer. In fünf oberbayerischen Landkreisen galt deswegen Mitte Januar der Katastrophenfall. Aus ganz Bayern kamen HelferInnen, um Gebäude von der Schneelast zu befreien. Das Magazin für Beamtinnen und Beamte hat nachgefragt, wie ein solcher Einsatz abläuft und was er für die Einsatzkräfte bedeutet.

Die Lawinengefahr in den Bergen, die Schneelast auf Dächern und Bäumen und viele gesperrte Straßen sorgten für große Probleme. Die örtlichen Feuerwehren waren im Dauereinsatz. In Fünfergruppen wurde geschaufelt, eine Gruppe schaffte auf diese Weise ein Einfamilienhaus am Tag. In den Landratsämtern Bad Tölz-Wolfratshausen, Berchtesgadener Land, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Traunstein wurde deshalb entschieden, dass auswärtige Kräfte nötig sind. Aufgrund der Schneemassen und der vielen Einsatzstellen musste der Katastrophenfall ausgerufen werden.

Hilfeleistungskontingent Nürnberg/Erlangen

Die Katastrophenhilfe für Südbayern kam unter anderem aus Nürnberg und Erlangen. Am 12. Januar hat die Regierung von Mittelfranken im Auftrag des Innenministeriums ein örtliches Hilfeleistungskontingent angefordert, welche sich früh am darauffolgenden Sonntagmorgen auf den Weg machte. Dieses Hilfeleistungskontingent umfasste drei Einsatzzüge, sprich 30 Fahrzeuge und 120 Personen. Auch die Infrastruktur für die eigenständige Verpflegung war dabei. Eingesetzt wurden vor allem Kräfte der beiden Freiwilligen Feuerwehren, die durch zwölf Kollegen der Berufsfeuerwehr Nürnberg und einige hauptamtliche Feuerwehrleute der ständigen Wache Erlangen ergänzt wurden.

So ein Einsatz geht natürlich an die Substanz. Aber Harry Hofmann, Personalrat bei der Feuerwehr Nürnberg, zieht im Rückblick eine positive Bilanz. Er war selbst mit der Höhenrettungsgruppe im oberbayerischen Bayrischzell. Die Einsatzkräfte auf den Dächern mussten mit Seilen über Kräne und Drehleitern gesichert werden – ein falscher Schritt

hätte ohne Sicherung schlimme Folgen haben können. Hofmann betont vor allem die Spontanität und Schwarmintelligenz im Hilfeleistungskontingent, bei einem unkalkulierbaren Einsatz sei das sehr hilfreich. Irgendwer in der Gruppe habe immer die gerade nötigen handwerklichen Fähigkeiten. Und alle suchen sich eine für sie passende Aufgabe. Wer nicht auf Dächer klettern kann, leistet Arbeit im Hintergrund und kümmert sich beispielweise um die Gulaschkanone.

Am Abend des 16. Januar wurden die HelferInnen aus Nürnberg und Erlangen dann abgelöst. Sie waren doppelt so lange im Einsatz wie ursprünglich geplant, trockene und warme Kleidung wurde schon knapp. Aber die Einsatzkräfte waren vor Ort gut versorgt. Sie waren in Ferienwohnungen und Hotels untergebracht und konnten damit in richtigen Betten schlafen. Das ist nicht immer der Fall. Es gibt Einsätze, bei denen sich die HelferInnen nach einem körperlich aufzehrenden Tag mit 50 anderen Einsatzkräften eine Turnhalle als Schlafplatz teilen müssen. Die Erholung kommt da etwas zu kurz. Teilweise gibt es im Katastrophenfall vor Ort natürlich schlicht keine Alternative zu Massenunterkünften, also Feldbetten in einem Flughafen oder einer Schule. Teilweise wird aber auch nicht ausreichend beachtet, wie wichtig eine gute Unterbringung der HelferInnen ist.

Von München ins Schneechaos – und zurück

Auch die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr München schickte Hilfe. Vom 11. bis zum 16. Januar machten sich jeden Morgen um 5 Uhr ungefähr 100 Einsatzkräfte auf den Weg in Richtung Berchtesgaden. Die Feuerwehrfrauen und -männer räumten Dächer, während auch hier die Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr die Arbeiten absicherte. Bis zu 18 Stunden pro Tag waren sie im Einsatz, spät am Abend fuhren sie zurück nach München. Die Drehleitern und anderes Großgerät blieben vor Ort, das Personal konnte in diesem Fall durch die relativ kurzen Wegstrecken (140 km pro Richtung) am Abend ausgetauscht werden.

Max Berthold vom Sachgebiet Katastrophenschutz bei der Berufsfeuerwehr München erklärt, dass die Hilfeleistungskontingente auch hier zu 90 Prozent aus Kräften der Freiwilligen Feuerwehr bestehen. Die Kontingente aus Grund- und Spezialkomponenten sind fest aufgestellt und werden aus regulären Einsatzkräften und Fahrzeugen rekrutiert. Sie sind weitestgehend autark, haben also Essen für die ersten 48 Stunden und in der Regel auch eigene Versorgungslogistik mit an Bord, um die Kreisverwaltungen im Katastrophengebiet entlasten zu können.

Die THW-Einheiten aus München, die Berthold auch aus seiner langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit kennt, waren ebenfalls im Einsatz. Weil München eine große Freiwillige Feuerwehr und eine Berufsfeuerwehr hat, wird das THW meist bei über mehrere Tage andauernde Schadenlagen in Bewegung gesetzt. In diesem Fall war eine THW-Führungseinheit für zehn Tage in Berchtesgaden, wo sie vom örtlichen THW-Verband versorgt wurde. Die THW-Einsatzkräfte waren an diversen Orten im Einsatz und in Pensionen und Hotels, teilweise aber auch in einer Schule, Turnhalle und Polizeikaserne untergebracht. Insgesamt zieht Berthold ein positives Fazit: „Unsere Leute kommen eigentlich immer recht zufrieden wieder. Sie haben etwas geleistet, was Sinn macht – das ist wichtig.“

Quelle: Beamten-Magazin 02/2019

mehr zu: Aktuelles für Finanzbeamte
Startseite | Kontakt | Impressum
www.finanzbeamte-online.de © 2019